Balanced Tension Saitensätze

Für E-Gitarren gibt es Saiten in unterschiedlichen Materialien und Dicken. Meiste kauft man sie als einen fertigen, aufeinander abgestimmten Satz. Dabei sind die Saitenstärken normalerweise in Inch angegeben und oftmals nennen Gitarristen nur die hundertstel Inch der dünnsten Saite um die Stärke der Saiten anzugeben: „Ich spiele 9er“ meint dann einen Saitensatz beginnend mit .009 Inch für die hohe E-Saite. Etwas genauer wird es mit der zusätzlichen Angabe der tiefe E-Saite in der Form „9-42“. Doch auch da sind noch Unterschiede drin, gemeint wäre hier wohl der klassische Satz .009 .011 .016 .024 .032 .042. Ein weiterer Klassiker ist .010 .013 .017 .026 .036 .046.

Ob man lieber dünner oder dickere Saiten spielt und wie sich das auf den Klang auswirkt ist ein großes Thema unter Gitarristen. Dabei spielen natürlich auch die verwendete Gitarre, vor allem deren Mensur und auch die Stimmung eine Rolle. Darüber schreibe ich ein anderes Mal, heute soll es um die Zusammenstellung von einzelnen Saiten zu einem Satz gehen.

Balanced Tension

Wenn man sich nämlich die oben genannten klassischen Sätze genau anschaut, stellt man fest, dass die Saitenspannung nicht gleichmäßig ist. Je nach Hersteller gibt es natürlich noch wieder leichte Unterschiede aber generell hat bei den Standardsätzen die B-Saite recht wenig Spannung, dafür die A-Saite recht viel. Man fragt sich warum? Vermutlich waren früher die Möglichkeiten der Berechnung, Herstellung und Messung einfach nicht exakter – so jedenfalls erklärt es D’Addario, einer der großen Hersteller von Gitarrensaiten. Heute jedenfalls gibt es „Balanced Tension Sätze“ bei denen die Saitenspannung für alle Saiten gleich ist – zumindest wenn man die Gitarre in Standard-E stimmt. Zum Beispiel bei D’Addario .009 .012 .015 .022 .030 .040 oder .010 .0135 .017 .025 .034 .046. Man erkennt, wie die einzelnen Saitenstärken angepasst wurden. Eine gute Idee, oder?

Saitenspannung der D’Addario 010-046 Balanced Tension im Vergleich mit dem klassischen 010-046 Saitensatz

Als Vorteil wird das gleichartige Gefühl der Saiten bei Bendings genannt – vor allem, wenn man mehrere Saiten als Akkord gleichzeitig bendet. Aber auch beim Stumming und Picking soll das einheitliche Gefühl dem Spieler helfen.

Kritik

In Foren hört man von erfahrenen Gitarristen zu Balanced Tension immer wieder auch kritische Meinungen, dass sie sich komisch anfühlen und nicht so gut spielen lassen würden wie die Klassiker. Ich denke, da spielt vor allem die Gewöhnung eine große Rolle. Wer seit Jahrzehnten bestimmte Saiten mit ihren Eigenarten spielt, der ist so daran gewöhnt, das alles andere komisch erscheint. Und wenn man perfekt zufrieden ist, braucht man sicher auch nicht wechseln.

Außerdem gibt es Stimmen, die sagen, dass sich dünne Saiten härter anfühlen und daher die Spannung der Basssaiten ruhig etwas höher sein darf. Diesem Argument kann ich prinzipiell folgen. Obwohl der Zug der Basssaiten bei den oben genannten Klassikern durchaus im Schnitt höher ist, so verwundert es dann um so mehr, dass die sehr dünne E-Saite deutlich mehr Zug hat als die dickere B-Saite und die tiefe E-Saite hat wieder weniger als D oder A. Wer diesem Ansatz folgen will, der braucht also noch wieder andere Saitensätze, nämlich Progressive Tension, welche man aber sehr selten findet. Ich hatte mir als Test solch einen Satz auf Basis von Ernie Ball Einzelsaiten selbst zusammengestellt und fand ihn auch nicht schlecht. Für mein Gefühl waren die Basssaiten damit aber im Vergleich zu anstrengend zu drücken. Ich denke das hängt damit zusammen, dass man die Finger dabei mehr strecken muss. Also für mich doch lieber balanced als progressive oder zumindest nur minimal progressive.

Stimmung

Eines darf man natürlich nicht vergessen: Die oben genannten Saitenspannungen beziehen sich auf die übliche Stimmung in E-Standard. Stimmt man die Gitarre anders, dann ergibt sich natürlich auch ein anderes Bild. Wenn alle Saiten gleichmäßig höher oder tiefer gestimmt werden, bleiben die Verhältnisse zwischen den Saiten praktisch gleich. Anders sieht es aber bei Drop-Tunings aus, bei denen nur die tiefe E-Saite einen Ganzton tiefer gestimmt wird. Hier muss man den Saitensatz entsprechend anpassen, damit er wieder Balanced Tension ist. Bei .010-.046 bräuchte man eine .052 statt der .046 für die tiefste Saite. Dies kann man bei D’Addario mit dem String Tension Pro online Rechner für Saitenstärken gut ausrechnen. Wer an der Gitarre öfter mal kurz zwischen E-Standard und Drop-D umstimmt kann einen Kompromiss nehmen. Ich wähle da derzeit .049 als Modifikation für die tiefe E Saite beim .010-.046 Balanced Tension Satz.

Fazit

Die Idee von Balanced Tension leuchtet ein. Wer als Einsteiger noch nicht auf ein bestimmtes Feeling der Saiten festgelegt ist, der sollte es unbedingt ausprobieren. Mir gefällt die gleichmäßige Saitenspannung sehr gut und ich greife immer wieder zu den D’Addario .010-.046 BT für meine Les Paul und entsprechender Modifikation für Drop-D.

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