10 klassische Verstärker die man kennen sollte

Diese Gitarren-Verstärker haben die Geschichte des Rock und Metal geprägt und sind, obwohl teilweise schon alt, noch heute in Verwendung.

Diese Verstärker sind auch wichtige Bezugsgrößen, wenn es darum geht den Charakter anderer Verstärkers zu beschreiben oder zu vergleichen. Man findet sie außerdem gerne als Presets in den digitalen Modelling-Verstärkern, wobei ihre Namen dort teilweise etwas umgemünzt werden (wohl aus Copyright Gründen). Ich habe meine Liste chronologisch sortiert, da man so die technologische Weiterentwicklung besser nachvollziehen kann.

Fender Bassman (1951)

Fender Bassman 59

Wie bereits der Name sagt, war dieser Combo-Verstärker ursprünglich nicht für E-Gitarren sondern für E-Bässe gedacht. Mit 50 Watt war er für seine Zeit ein sehr starker Verstärker. Aufgrund seiner Bauweise erlaubte er es, die Röhren in die Verzerrung und Kompression zu treiben. Dies ermöglichte einen neuen Sound, der auch für viele E-Gitarristen interessant war. Gespielt wurde er z.B. von Buddy Holly, George Harison (The Beatles) und in neueren Zeiten von Johnny Marr und Joe Bonamassa.

Als die Firma Marshall 1962 einen Verstärker für E-Gitarren konstruierte, war es die Schaltung des 1959er Bassman (Modell 5F6A), die als Vorlage für den Marshall JTM 45 diente.

Fender Twin (1952)

Fender Twin 1963

Man liest oft von dem besonderen Fender Clean Sound. Mit diesem Combo-Verstärker hat man den Klassiker dazu. Zur Verzerrung lässt er sich kaum überreden, aber der saubere Ton überzeugt mit 6L6 Röhren in der Endstufe und zwei 12” Lautsprechern. In späteren Jahren kommt beim Fender Twin dann auch noch ein sehr beliebter Reverb dazu. Verwendet haben ihn unter anderem Keith Richards (The Rolling Stones), George Harison (The Beatles), Jack White (The White Stripes) und Eric Johnson.

Vox AC30 (1958)

VOX AC30

Gestartet als eine lautere Version des AC15, ist der AC30 ein Combo-Verstärker mit 30 Watt und zwei 12” Lautsprechern. Dieser Verstärker entwickelte sich Anfang der 1960er mit vier EL84 Endstufenröhren und dem sogenannten Top Boost Kanal zu einer Legende. Bekannt ist er sowohl für seinen besonderen Clean Sound, als auch für seine Verzerrung. Letztere entwickelt der AC30 aber erst voll aufgedrehte (und sehr laut) und am besten noch mit einem Booster / Overdrive davor. Dieser Verstärker wurde und wird von einer Vielzahl von Rockmusikern benutzt, darunter Brian May (Queen), The Edge (U2), Lenny Kravitz, Dave Grohl (Foo Fighters).

Marshall JMP100 Super Lead (1965)

Marshall 1959

Das Model mit der Bezeichnung 1959 aus dem Hause Marshall ist auch unter dem Spitznamen „Plexi“ bekannt, da seine Bedienelemente auf einer Platte aus Plexiglas angebracht sind – was auch auf andere Marshall-Verstärker dieser Zeit zutrifft. Die hohe Leistung von 100 Watt kam der Legende nach zustande, weil Pete Townsend (The Who) noch lauter sein wollte. Hier finden die für Marshall typischen EL34 Röhren in der Endstufe in einem großen Topteil Verwendung. Dazu kamen typischerweise zwei 4×12” Boxen für einen sogenannten Fullstack. Auch Jimi Hendrix spielte diesen Marshall, ebenso Angus & Malcolm Young (AC/DC) und Eddie Van Halen (Van Halen).

Roland Jazz Chorus (1975)

Roland JC-120

Während alle anderen Verstärker in dieser Liste auf Röhrentechnik basieren, ist der Roland Jazz Chorus ein reiner Transistor-Verstärker. In den anderen Bereichen der Elektronik hat der Transistor im Laufe der Jahrzehnte die Röhre verdrängt, da er einfacher, kleiner, zuverlässiger und billiger ist. Bei Gitarrenverstärkern kamen in den 70er und 80er Jahren auch viele Transistormodelle auf den Markt. Die klanglichen Besonderheiten der Verzerrung einer Röhre konnten sie damals aber nicht erreichen. Lange Zeit waren Transistor-Gitarrenverstärker daher nur noch im günstigen Einsteigerbereich zu finden, während sonst die Röhren den Markt dominierten. Der Roland Jazz Chorus aber wurde ein großer Erfolg wegen seines Clean Sound und des sehr guten eingebauten Chorus – einem der beliebtesten Effekte der 1980er Jahre. Benutzt wurde er unter anderem von Joe Perry (Aerosmith), Andy Summers (The Police) und auch James Hetfield (Metallica) benutzte einen Jazz Chorus für cleane Parts im Studio.

Marshall JCM800 (1981)

Marshall JCM-800 2203

Die Ablösung für den Plexi wurde bei Marshall auch wieder ein Klassiker. Das Model 2203 wurde als JCM800 verkauft. Dieser Verstärker prägte den Hard-Rock und Metal Sound der 1980er Jahre, oft mit Overdrive-Pedalen wie dem Ibanez TubeScreamer davor oder auch von Verstärkertechnikern für mehr Gain modifiziert. Er wurde viel benutzt, unter anderem von Randy Rhoads & Zakk Wylde (Ozzy Osborne), Slash (Guns N’ Roses), Glen Tipton (Judas Priest), Mike McCready (Pearl Jam), James Hetfield (Metallica).

Mesa/Boogie Mark IIC+ (1983)

Mesa Boogie Mark IIc+

Die ersten Verstärker dieser Serie erschienen 1977 einfach als „Boogie“ und wurden dann später als Mark I bezeichnet. Gitarristen wie Carlos Santana und Keith Richards (The Rolling Stones) benutzten sie. Im Laufe der Zeit gab es verschiedene Verbesserungen und Erweiterungen bis hin zum aktuellen Mark V. Die ganze Verstärkerserie ist interessant. Den Mark IIC+ habe ich für diese Liste ausgewählt, da er einen besonderen Ruf genießt. Außerdem sind hier alle Anfangsprobleme überwunden, unter anderem die Art der Kanalumschaltung und der Aufbau der FX-Loop. Eine Besonderheit dieser Serie ist der eingebaute grafische Equalizer, der Anfangs nur optional erhältlich war. Verwendet wurde der Mark IIC+ unter anderem von James Hetfield (Metallica) auf den Alben Master of Puppets und And Justice for All. Auch der aktuelle Signatur-Verstärker JP-2 von John Pettruci (Dream Theater) basiert auf dem IIC+ obwohl er drei Kanäle bietet und eher wie ein Mark V aussieht.

The Mesa/Boogie Mark II C+ bei Vintage Guitar (Englisch)

Soldano SLO-100 (1987)

Soldano SLO-100

Obwohl Verstärker wie der Mesa/Boogie Mark II C+ bereits mehr Gain lieferten, war dies vielen Gitarristen noch immer nicht genug. Booster und Overdrive Pedal wurden nach wie vor benutzt und die Suche nach High Gain ging weiter. Es gab viele Techniker die Modifikationen am bekannten Marshall JCM800 anboten und einer von Ihnen war Michael Soldano. Sein erster eigener Verstärker, der Super Lead Overdrive (SLO) 100 führte dann einen ganz eigenen High-Gain Sound ein. Der SLO-100 verwendete kaskadierenden Verstärkerstufen in der Vorstufe und konnte somit hohe Verzerrung bei jeder Lautstärke bieten. Auch wenn Soldano ihn ursprünglich für sich selbst und Heavy Metal gebaut hatte, wurde er doch für viele Gitarristen ganz unterschiedlicher Richtungen wichtig. Gespielt wurde er unter anderem von Eric Clapton, Mark Knopfler (Dire Straits) , Vivian Campbell (Dio), Gary Moore und in neuerer Zeit Matt Bellamy (Muse).

Der Vollständigkeit halber seien hier auch der Bogner Ecstasy (1992), Diezel VH4 (1992) und die Amps von ENGL und Randall erwähnt, die dem Pfad des High Gain ebenfalls weiter folgten.

Mesa/Boogie Dual Rectifier (1991)

Mesa/Boogie Dual Rectifier

Wenn man Soldano als die sanfte, singende Seite des High Gain sieht, dann ist der Dual Rectifier von Mesa/Boogie die raue, schreiende. Kurz darauf kam der sehr ähnliche Triple Rectifier auf den Markt. Man kann diese beiden als die maßgeblichen Verstärker des Nu Metal sehen, welcher Mitte der 1990er bis Mitte 2000er Metal mit anderen musikalischen Genres verband. Doch auch danach sind diese Verstärker ein Standard, wenn es um straffe, kraftvolle Metal-Sounds geht, so unter anderem bei Mark Tremonit (Creed, Alter Bridge), Dave Grohl (Foo Fighters), Brian Welch & James Shaffer (Korn), Dan Donegan (Disturbed), Christian Andreu (Gojira).

Peavey 5150 (1992)

Peavey 5150

Immer wieder wird Edward Van Halen als einer der maßgebenden Gitarristen der späten 70er / frühen 80er Jahre genannt und das hier ist sein Verstärker. Auf der Suche nach High Gain für den poppigen Rock seiner Band Van Halen verwendete Eddie anfangs maximal aufgedrehte und modifizierte Marshall Plexi. Als der Erfolg es ihm erlaubte seinen eigenen Verstärker für Peavey zu konstruieren, entstand der 5150. Nachdem Eddie Van Halen die Zusammenarbeit mit Peavey beendet hat, gibt es heute die Nachfolger dieses Verstärkers mit dem gleichen Namen 5150 unter der Marke EVH und das ursprüngliche Modell firmiert bei Peavey unter 6505. Verwendet wird dieser Verstärker auch von Matt Heafy (Trivium), In Flames, Arch Enemy, Dimmu, Joe Duplantier (Gojira), Scott Ian (Anthrax).

 

Das waren die aus meiner Sicht wichtigsten 10 Gitarrenverstärker.
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