UniCut Shogun – Teil 1: Design

Meine neue UniCut Shogun ist meine erste Custom Gitarre, die vom Gitarrenbauer als Einzelstück genau nach meinen Wünschen angefertigt wurde.

Bevor der Gitarrenbauer die Gitarre zum Leben erweckt hat, habe ich mir zu jeder Kleinigkeit Gedanken gemacht, sie spezifiziert und dabei auch ein eigenes Design für Korpus, Kopfplatte und Inlays entworfen. Grund genug also, hier in meinem Blog mit einer kleinen Artikelserie ausführlich darüber zu schreiben. Im ersten Teil soll es von der Idee bis zum finalen grafischen Design der Gitarre gehen.

Zu Beginn ein Bild der Gitarre um die es hier geht:

UniCut Shogun

Vorgeschichte / Zielsetzung

Meine Vorgeschichte ist geprägt von Gibson. Schon immer fand ich eine Les Paul optisch toll und auch der Klang gefällt mir. Ich bin nun einmal mit Guns N’ Roses und anderen Hard Rock Bands der 1980er aufgewachsen. Zum (Wieder-)Einstieg in das Gitarrenspiel kaufte ich mir daher meine Traumgitarre aus jungen Jahren, eine Gibson Les Paul Faded T 2017 in Worn Brown. Ich spendierte ihr cremefarben Pickup-Rahmen und neue Knöpfe um sie optisch weiter aufzuwerten. Eine schöne Gitarre und es war gerade in den anstrengenden ersten Monaten des Gitarrespielens super motivierend für mich, mit einer echten Gibson zu spielen. Noch immer habe ich sie gerne in der Hand, z.B. wenn ich Sweet Child O‘ Mine spiele.

Es gibt aber auch Punkte, da merke ich, dass das Design der Les Paul schon 60 Jahre alt ist: Der schlechte Zugang zu den hohen Bünden, die Stimmprobleme der G-Saite, der eckige Halsansatz, das hohe Gewicht und die schlechte Balance im Sitzen. Im 21. Jahrhundert müsste das besser gehen, finde ich.

Als erstes habe ich mit einer Kit-Gitarre in Les Paul Junior Doublecut Form selbst etwas experimentiert. Dabei habe ich viel über den Aufbau und die Bearbeitung einer Gitarre gelernt. Diese Gitarre, meine DH Junior Racer, spiele ich seit einem Jahr am meisten. Aber natürlich konnte ich nur einen kleinen Teil meiner Wünsche und Ideen mit dem vorgefertigten Kit umsetzen. Also war der logische Schritt eine Custom Gitarre, gebaut von einen Profi nach meinen Vorstellungen.

Gibson Les Paul und DH Junior Racer

Das Motto meines eigenen Gitarrendesigns wurde: Moderne Ergonomie mit klassischem Vibe. Die Gitarre soll vielseitig sein, sich aber vor allem sehr gut für meine liebsten Musikrichtungen von Classic Rock bis Metal eignen. Die Grundlagen sind daher: Gibson Mensur, feste Brücke, zwei splitbare Humbucker, Edelstahl-Bünde, Headstock mit gerader Saitenführung und Locking Tunern. Außerdem eine gute Ergonomie im Stehen und im Sitzen – und das ist nicht so einfach.

Ergonomische Designstudien

Im Stehen gefallen mir meine Les Paul und Junior gut. Das ist auch nicht so schwer, die Gitarre braucht da vor allem eine gute Balance am Gurt. Eine wirklich gute Haltung im Sitzen finde ich aber eine Herausforderung. Daher habe ich mich in das Thema Ergonomie der E-Gitarre eingelesen und genau geschaut, was moderne Designs von Rick Toone oder Strandberg machen. Für mich war klar, dass ich die Gitarre im Sitzen locker, rockig, cool auf dem rechten Bein spielen will. Viele ergonomische Gitarre drängen einen aber in die klassische Position mit der Gitarre zwischen den Beinen. Also habe ich dazu Studien aus Styropor und Pappe gebaut und ausprobiert. Heraus kam, was schon Leo Fender mit der Jazzmaster erkannt hatte: Für die Position der Gitarre im Sitzen ist deren Taille entscheidend. Dazu habe ich einiges in meinem Artikel Ergonomisches E-Gitarren-Design geschrieben.

Somit waren durch meine Wünsche für die Ergonomie die Positionen der Taille und Gurtpins vorgegebenen. Die größte Herausforderung war es nun einen formschönen Korpus durch diese Punkte und einen dazu passenden Headstock zu zeichnen. Der Entwurf sollte einerseits eigenständig sein, andererseits aber auch einen klassischen Touch haben. Nach fast einem Jahr und vierzig Entwürfen war es dann soweit, dass die Grundform endlich fest stand.

Hier ein paar Entwürfe die ein wenig die lange Entwicklung des Designs zeigen:

Designentwürfe

Für das finalen Design habe ich dann noch ein paar Monate und über dreißig kleine Schritte gebraucht, bis alles für mich gepasst hat. So wurden vor allem das obere Horn, die Kopfplatte und die Position der Potis optimiert. Aber auch alle anderen Linien wurden noch einmal perfektioniert.

Auch die Inlays für das Griffbrett haben mich lange beschäftigt. Punkte waren mir zu simpel, Blöcke zu aufdringlich. Also wurden es am Ende schmale Rechtecke, am zwölften Bund zwei nebeneinander. Nebenbei zeigen die Inlays auch eine bekannte optischen Täuschung: Sind sie alle gleich groß oder nicht?

Linienführung

Was macht nun das Design dieser Gitarre aus? Es gibt da einen schönen Artikel zu den Grundlagen: Fundamentals of Electric Guitar Design, Part 1. Dort benennt Kerry Kruger sechs grundlegende Korpusformen. Die wichtigsten sind Static (symmetrisch um die Längsachse wie eine Les Paul oder Telecaster), Avid (vorgelehntes Offset wie eine Jazzmaster) und Recumbent (zurückgelehntes Offset wie eine Gibson RD).

Guitar Body Thrust Types

Meine Studien zur Ergonomie haben eine Taille in Avid / Offset Form vorgegeben. Meine optischen Vorlieben tendieren aber eher in Richtung Static (Les Paul). Daher mischt mein Design Avid (Taille, Korpus-Vorderkante) und Recumbent (unteres Horn, Korpusende, Kopfplatte) zu gleichen Teilen, sodass sich insgesamt ein Gleichgewicht einstellt. Daraus ergibt sich, dass der Korpus je nachdem wo man hinschaut eher agressiv oder eher entspannt wirkt. Er scheint auch manchmal eher klein, dann wieder recht groß. Das ist ungewöhnlich und macht für mich den Reiz dieser Form aus.

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